Das Knie
Größtes Gelenk unseres Körpers
Auf kaum einem Gelenk lastet Tag für Tag eine solche Belastung wie auf
unserem Knie. Dabei ist die komplizierte und dennoch „wartungsfreie“
Konstruktion der Traum eines jeden Ingenieurs – nur in der Natur gibt
es bislang solche Lösungen, die ohne besondere Pflege ein Leben lang halten.
Aufbau und Funktion
Unser Kniegelenk ist kein einfaches Scharnier: Eine komplexe
Roll-/Gleitbewegung gewährleistet gleichzeitig ein Höchstmaß
an Flexibilität, aber auch Stabilität. Die dazu notwendigen beweglichen
Verbindungen verschiedenster Knochen werden durch das Zusammenspiel von Muskeln,
Sehnen und Bändern unterstützt. Gelenkkopf, Gelenkpfanne und der Gelenkspalt
sind von der Gelenkkapsel umgeben und bilden so das eigentliche Kniegelenk,
die bewegliche Verbindung zwischen Ober- und Unterschenkel. In seiner Bewegung
stabilisiert wird das Gelenk von allen Seiten durch Bänder, als Stoßdämpfer
zwischen Ober- und Unterschenkel fungieren die Menisken. Im Gelenk selbst sorgt
die in der Gelenkinnenhaut (Synovialis) ständig nachproduzierte Gelenkflüssigkeit
zusammen mit dem Gelenkknorpel dafür, dass eine optimale Gleitfähigkeit
stets erhalten bleibt.
Oberschenkel
Der Oberschenkelknochen mündet in zwei Walzen (Kondylen), welche den Gelenkkopf
bilden. Beim Beugen und Strecken gleiten sie in der Gelenkpfanne, welche vom
Schienbeinplateau gebildet wird. Damit diese Gleitbewegung möglichst reibungslos
verläuft, sind die Kondylen gleichmäßig mit Knorpel überzogen.
Bei einer Arthrose ist dieser Knorpel abgenutzt, im fortgeschrittenen Stadium
reibt Knochen auf Knochen, was bei fast jeder Bewegung zu unerträglichen
Schmerzen führt. Bis heute gibt es noch keine Möglichkeit, einmal
verschlissenen Knorpel wieder nachwachsen zu lassen. Fehlt er weitflächig,
so muss über einen Oberflächenersatz (Prothese) nachgedacht werden.
Kleinere Knorpeldefekte können inzwischen jedoch durch verschiedene Maßnahmen
(Mosaikplastik, Knorpeltransplantation) erfolgreich behandelt werden.
Schienbein
Das Schienbein (Tibia) besteht aus zwei Gelenkflächen, welche das Lager
für die Gelenkrollen des Oberschenkels bilden. Dabei ist die Außenseite
des Tibiaplateaus mit dem Wadenbein (Fibula) verbunden.
Kniescheibe
Die knöcherne Kniescheibe (Patella) sitzt vor den Gelenkrollen, um diese
vor einer Gewalteinwirkung von vorn zu schützen. Wie die Gelenkflächen
selbst ist sie an ihrer Rückseite von einer Knorpelschicht überzogen.
Darüber hinaus erhöht sie die Stabilität des Kniegelenks und
sorgt für den Kraftschluss der vorderen Oberschenkelmuskulatur mit dem
Unterschenkel. Durch einseitige Belastung oder Überbeanspruchung bei bestimmten
Sportarten kann es zu einer chronischen Reizung des Sehnenansatzes der Kniescheibe
kommen, dem so genannten Patellaspitzensyndrom, welches in schweren Fällen
operiert werden muss.
Bänder
Für die Stabilität unseres Kniegelenkes sind neben der Muskelführung
insbesondere die Bänder verantwortlich. Sie bestehen aus elastischen Kollagenfasern
und definieren die maximal mögliche Auslenkung und Torsion bei der Bewegung.
Besonders die Seiten- und Kreuzbänder sorgen dafür, dass unser Knie
sich nicht unphysiologisch verdrehen kann: So werden Schäden vom Gelenk
fern gehalten. Dass unser Körper nicht nur aus Knochen und Muskeln besteht,
merken wir selbst bei sportlicher Betätigung eher selten. Zwar kennen wir
alle den „Muskelkater“ nach größeren körperlichen
Anstrengungen, unsere Bänder aber spüren wir im Allgemeinen nicht.
Wenn doch, dann steckt zumeist eine chronische Erkrankung durch Überbeanspruchung
oder ein Bänderriss (zum Beispiel nach einem unglücklich umgeknickten
Fuß) dahinter.
Das Auftreten eines Kreuzbandrisses am Knie galt dabei bis vor wenigen Jahren
noch als das Aus für sportlich aktive Menschen. Mittlerweile wird beinahe
überall das Kreuzband durch eine Konstruktion aus körpereigenem Sehnenmaterial
ersetzt, welches heute meist der Semitendinosussehne und Gracilissehne entnommen
wird. Das Entnehmen der Sehne beeinträchtigt die Stabilität des Kniegelenkes
dabei in der Regel nicht.
Menisken
Zwischen Oberschenkel und Schienbeinplateau sorgen zwei halbmondförmige
Scheiben aus Faserknorpel dafür, dass die Gelenkoberflächen bei Belastung
ausreichend abgepuffert werden: die Menisken. Diese flexiblen Scheiben verteilen
den bei jedem Schritt auftretenden Druck so, dass er in eine möglichst
große Fläche eingeleitet wird. Sind die Menisken beschädigt
oder fehlen sie ganz, so sind diese wichtigen Funktionen nicht mehr gewährleistet.
Die Folge ist, dass die unphysiologische Bewegung zu einem Abrieb des Gelenkknorpels
führt: eine Arthrose entsteht.
Bei jeder Kniebewegung unter Belastung werden
die Menisken regelrecht durchgewalkt. Diese hohe mechanische Beanspruchung führt
auf Dauer zu Ausfransungen oder Riss-Bildungen der Menisken, zum Verschleiß
also. Eine Drehung im gebeugten Knie mit gleichzeitiger hoher Krafteinwirkung
kann in seltenen Fällen einen intakten Meniskus reißen lassen. Es
gibt ganz verschiedene Riss-Formen. Ein verschlissener Meniskus franst häufig
aus (im Bild F). Daneben kommen Radiär- (R) und Tangential-Risse (T) vor.
Eine Sonderform ist der sogenannte Korbhenkel-Riss (K).
Ist ein Meniskus defekt, so wirken die gerissenen Anteile häufig wie Fremdkörper
im Gelenk, führen also zu einer erheblichen Störung der Passform.
Die operative Sanierung ist dann erforderlich. Meist ist sie über eine
Kniegelenkspiegelung [arthroskopisch] möglich. Der Operateur wird, wie
die rote Linie im Bild zeigt, möglichst viel vom intakten Meniskus stehen
lassen: Je mehr man entfernt, um so wahrscheinlicher ist ein frühzeitiger
Verschleiß.
Arthroskopische Bilder
1 a+b. Blick auf den Innenmeniskus
Der
Meniskus [M] liegt als Form und Stabilität gebendes
Element zwischen Oberschenkelrolle [C = Condylus] und Schienbeinkopf [T = Tibia].
Er besteht aus Knorpel und hat die Gestalt einer Sichel, deren konkave Schneide
zum Gelenkinnenraum hinweist. Die Knorpel-Oberflächen sind hier - im Gegensatz
zum
verschlissenen [arthrotischen] Kniegelenk - völlig
glatt.
2. Innenmeniskus-Riss
Meniskus [M] ist
eingerissen, sodass sich ein Lappen [m] gebildet
hat. Davor ist ein freies Knorpelstückchen zu sehen.
Mit entsprechenden Instrumenten ist es möglich, einen eingerissenen Meniskus
arthroskopisch, also über die kleinen Hautschnitte, zu operieren.
3. Kreuzband
Das letzte Bild zeigt das
vordere Kreuzband [Lca = Ligamentum cruciatum anterius].
Es zieht in den Tunnel, der von der inneren und äußeren Kufe des
Oberschenkelknochens [Cm = Condylus medialis femoris, Cl = Condylus lateralis
femoris] gebildet wird. Rechts sieht man einen Fettkörper [H = Hoffa'scher
Fettkörper], von dem eine Schleimhautfalte [P = Plica synovialis infrapatellaris]
ebenfalls in den Tunnel zieht. Solche Plicae sind in variabler Ausprägung
und Zahl vorhanden und können gelegentlich
Probleme machen.
Auch ein
Kreuzbandriss kann mit arthroskopischer Hilfe operiert werden.
Arthrose
Was ist Arthrose?
- Frühstadium
Ausgangspunkt jeder Arthrose ist ein Schaden im Knorpelüberzug, der sogenannte
"Knorpelschaden". Oft ist dieser Schaden zunächst nur auf eine
kleine Fläche von vielleicht 2 Quadratzentimetern begrenzt. Außerdem
ist er noch oberflächlich. Kurz darauf treten im Röntgenbild erste
Verdichtungen des Knochens auf. Es handelt sich hierbei immer um Knochenbezirke,
die direkt unter dem erkrankten Knorpel liegen. Diese zusätzlichen Veränderungen
am Knochen sind ein entscheidendes Zeichen für das Frühstadium der
Arthrose. Ohne diese Knochenveränderungen liegt nur ein "Knorpelschaden"
vor, nicht aber eine "Arthrose". Arthrose bedeutet deshalb immer
Knorpelschaden mit Knochenveränderungen.
- Spätstadium
Zwischen dem "Frühstadium" und dem "Spätstadium"
können viele Jahre liegen. Viele Arthrosepatienten befinden sich deshalb
in einem Zwischenstadium, das zwischen Früh- und Spätstadium liegt.
Ihre Veränderungen sind also stärker als im Frühstadium, doch
noch geringer als im Spätstadium. Im Spätstadium ist der Gelenkknorpel
im erkrankten Bereich nicht nur erkrankt und geschädigt, sondern sogar
vollständig abgerieben und verschwunden. Hierdurch reibt der jetzt freiliegende
Knochen direkt auf dem Knochen der Gegenseite. Im Röntgenbild sieht man,
daß sich die Knochen direkt berühren. Der so genannte Gelenkspalt
ist deshalb verschwunden. Auch der Knochen hat sich gegenüber dem Frühstadium
verändert:
- Er ist wesentlich dichter und härter und im Röntgenbild deutlicher
erkennbar.
- An den Rändern der Gelenke sind große knöcherne Zacken
entstanden. Diese knöchernen Ausziehungen ("Osteophyten")
führen zu einer Verbreiterung des Gelenkes. Der Betroffene stellt fest,
dass seine Gelenke größer und aufgetrieben sind. Diese Knochenzacken
können sich bei bestimmten Bewegungen auch berühren und weitere
Schmerzen auslösen.
Ursachen und Folgen der Arthrose
Die Ursachen der Arthrose führen wie geschildert immer zuerst zu einem
Knorpelschaden. Hunderte, wenn nicht tausende verschiedene Faktoren können
zu einem Knorpelschaden führen. Unfälle, Überlastungen, angeborene
Fehlformen der Gelenke, Stoffwechselstörungen und vermutlich auch Ernährungsfehler
sind die wichtigsten Ursachen.
Die Folgen der Arthrose sind vielen Betroffenen nur zu gut bekannt:
– Schmerzen
– Entzündungsschübe
– Verdickung und Verformung
– beginnende Einsteifungen.
Für jedes Gelenk und jedes Stadium sind das Ausmaß und die Ausprägung
dieser Vorgänge aber sehr verschieden.
Verschleißerscheinungen der Gelenke mindern Tag für Tag die Lebensqualität
selbst junger Menschen in hohem Maße. Durch die starken Schmerzen können
sich Patienten, die unter fortschreitendem Verlust des Gelenkknorpels leiden,
fast kaum noch bewegen. Nur wenige Therapien scheinen erfolgversprechend, wenn
es darum geht, die weitere Zerstörung der Knorpelmasse aufzuhalten oder
zumindest zu verlangsamen. Wichtig ist eine abwechslungsreiche Belastung aller
Gelenke, die nicht auf einen einseitigen, wiederkehrenden Bewegungsablauf abzielt.
Insbesondere bei den Kniegelenken gilt es, eine Krafteinwirkung zu vermeiden,
die nicht der natürlich vorgegebenen Bewegung des Gelenks folgt. Torsionskräfte
zum Beispiel, wie sie durch ein Verdrehen des Gelenks etwa bei ungeübten
Skifahrern auftreten, sind dabei den Kniegelenken ganz besonders abträglich.
Mit fortschreitender Erkrankung werden die Schmerzen immer schlimmer: Das kommt
daher, dass die sich von der Knorpeloberfläche ablösenden Teilchen
durch das Gelenk wandern. Zudem produziert die Gelenkinnenhaut mehr Gelenkflüssigkeit,
als auch wieder abtransportiert werden kann. Die Schmierung des Gelenks funktioniert
dann nicht mehr richtig, und es kommt zu einer Schmerzempfindung, die oftmals
mit der eines beschädigten Meniskus verwechselt wird.
Wann ist ein künstliches Gelenk notwendig?
Ein künstlicher Gelenkersatz ist dann erforderlich, wenn die Zerstörung
des Knies so groß ist, dass gelenkerhaltende Eingriffe wie z.B. eine Kniegelenksspiegelung
oder eine Achsumstellung nicht mehr sinnvoll sind. Der Verschleiß übersteigt
das altersgemäße Maß und führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Ursachen für die Abnutzung können Fehlbelastungen durch Verformung
des Beines in X-oder O-Beinstellung, alte Verletzungen oder Entzündungen
im Kniegelenk sein.
Knieprothetik
Noch bis vor wenigen Jahren war der Ersatz eines Kniegelenks eine heikle Angelegenheit,
mittlerweile handelt es sich jedoch bei der Implantation einer Knieendoprothese
wie bei der Implantation einer Hüftendoprothese um einen Standardeingriff.
Hauptproblem bei der Implantation einer Knieprothese liegt darin, dass im Knie
nicht nur Stabilität, sondern gleichzeitig maximale Beweglichkeit gefordert
sind. Beides kann aber nur gewährleistet werden, wenn der Kraftfluss im
Gelenk möglichst optimal ist. Um dies zu erreichen, muss das neue Kniegelenk
millimetergenau implantiert werden – eine Aufgabe, die nur Spezialisten
„von Hand“ meistern können.
Welche Arten des künstlichen Kniegelenkersatzes
gibt es?
Der einseitige Oberflächenersatz
Hierbei ist nur eine Seite des Kniegelenkes zerstört (entweder die innere
oder die äußere Seite). Die Bänder, der andere Gelenkanteil
und die Kniescheibe sind jedoch funktionsfähig. Es wird dann eine Prothese
auf eine der Oberschenkelrollen aufgesetzt (=Schlittenprothese). Diese gleitet
dann bei der Bewegung des Knies auf dem Kunststoffblock, der zusammen mit einem
Metallunterteil auf der entsprechenden Seite des Schienbeinkopfes aufgesetzt
wird. Die Stabilität wird durch die erhaltenen Bänder (Seitenbänder
und Kreuzbänder) gewährleistet.
einseitige Oberflächenersatz
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Der komplette Oberflächenersatz
Sind mehrere Teile des Kniegelenkes durch die Arthrose zerstört, die Seitenbänder
aber noch fest erhalten, kommt der komplette Oberflächenersatz zum Einsatz.
Hierbei wird die komplette Gelenkfläche des Oberschenkelknochens durch
eine Oberflächenprothese ersetzt.
kompletter Oberflächenersatz
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Vollständiger und achsgeführter Kniegelenkersatz
Hierbei ist das gesamte Kniegelenk einschließlich der Bänder zerstört
oder es besteht eine Achsabweichung zwischen Ober- und Unterschenkelknochen
von über 30 Grad. Somit ist die Stabilität nicht mehr gewährleistet
und das künstliche Kniegelenk muss auch die Funktion der Bänder übernehmen.
Dies wird erreicht, indem zwischen Ober- und Unterschenkelteil des künstlichen
Kniegelenkes ein Scharnier geschaltet wird. Dieser Prothesentyp verlangt eine
spezielle Still-Verankerung im Knochen von Ober- und Unterschenkel.
Vollständiger und achsgeführter Kniegelenkersatz
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Wie läuft die Operation ab?
In Voll- oder Teilnarkose wird bei einer Operationszeit zwischen 60 und 90 Minuten
das künstliche Kniegelenk eingebaut. Die Hautdurchtrennung erfolgt an der
Vorderseite des Kniegelenkes, danach wird die Kniescheibe mit ihrem Bandapparat
zur Seite gehalten, so dass alle Teile des Kniegelenks gut sichtbar werden.
Dieser Vorgang gilt für alle drei Kniegelenks-Typen.
Entscheidend für die Festlegung des erforderlichen Ersatzes ist die Zerstörung
der verschiedenen Gelenkanteile. Der Knochen wird unter Zuhilfenahme verschiedener
Schablonen mit der Säge so vorbereitet, dass die entsprechende Prothese
gut aufsitzen kann. Zusätzlich werden Aussparungen für Verankerungszapfen
in den Knochen gebohrt. Nachdem mit einer Probeprothese der exakte Sitz und
gleichzeitig die ausreichende Beweglichkeit überprüft wurde, wird
die Originalprothese im Knochen verankert oder wenn nötig mit Knochenzement
fixiert.
Knochenschnitte am Ober- und Unterschenkel, die während
der Operation durchgeführt werden müssen
Foto
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In anatomisch komplizierten Fällen nutzen wir ein computergesteuertes Navigationssystem,
um die Knochenschnitte exakt auszurichten und den Sägevorgang weiter zu
präzisieren. Durch die ausgeklügelte Technik weiß der Operateur
immer, wo er sich gerade befindet und kann die Prothese gradgenau einsetzen.
Dem Patienten kommt dies nicht nur rein funktionell zugute: Sitzt das Gelenk
optimal, sind die Auslockerungsraten viel geringer, was die zu erwartende Lebensdauer
der Prothese deutlich erhöht.
Knie
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Was geschieht nach der Operation?
Der Erfolg der Operation und die Haltbarkeit des neuen Kniegelenkes hängen
sowohl von der Nachbehandlung wie vom Verhalten des Patienten ab. Im Krankenhaus
lernen Sie mit Hilfe der Krankengymnastin das Gelenk wieder zu benutzen und
zu bewegen. Die erlernten Übungen sollten später von Ihnen selbstständig
durchgeführt werden.
Sport nach Knieendoprothese
Die TEP-Operation dient primär nicht sportlichen Zwecken, sondern der Erzielung
von Schmerzfreiheit und verbesserter Bewegungs- und Gehfähigkeit, um dem
Patienten zu einem, seinem Alter entsprechend aktiven Leben zu verhelfen (Beruf,
Hobby, Sport). Es sollte stets berücksichtigt werden, dass es sich bei
dem Implantat um ein vermindert beanspruchbares, künstliches Gelenk handelt,
das unter Belastung eine physiologische Anpassungsreaktion vermissen lässt
und zu einer vermehrten Beanspruchung der Verbindungsflächen zwischen lebendem
Gewebe und künstlichem Material mit dem Ergebnis einer Implantatlockerung
führen kann. Andererseits zeigen Untersuchungen positive Auswirkungen einer
regelmäßig und moderat betriebenen sportlichen Betätigung auf
die Lebensdauer einer Endoprothese, deren Ursachen in einer Verbesserung des
knöchernen Prothesenlagers infolge einer Anregung der Knochenneubildung
und einem besseren muskulären Schutz des Kunstgelenkes gesehen werden.
1. Allgemeine Voraussetzungen der Sportfähigkeit bei TEP-Patienten:
- keine Schmerzen
- stabile Herz-Kreislauf-Verhältnisse
- OP mindestens 3 Monate zurückliegend
2. Besonders geeignete Sportarten:
- Wandern
- Walking
- Schwimmen (Kraulbeinschlag/Aquajogging)
- Skilanglauf (Diagonalschritt)
- Radfahren (Damenrad ohne Querstange, alternativ Heimtrainer)
- Gymnastik (Dehnungs- und Kräftigungsübungen)
- Rudern
3. Bedingt geeignete Sportarten:
- Jogging
- Tischtennis
- Kegeln
4 . Wenig geeignete Sportarten:
- alpiner Skilauf
- Tennis
- Ballspiele
- Reiten
- Leichtathletik (Sprung-, Schnellkraftdisziplinen)
Grundsätzlich sind Sportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko, die
gleichzeitig auch zu höheren Belastungen des Kunstgelenkes führen
können, für TEP-Patienten wenig geeignet. Andererseits gibt es keinen
statistisch gesicherten Beleg dafür, dass bei Sportarten, die diesen Kriterien
entsprechen, häufiger Lockerungen auftreten.
Beispiel
Patient: W. H.
65 Jahre
Knie-Prothese 14.08.2002
Rennrad-Training 17.03-03.08.2003
1758 Kilometer!
Trekkingrad 638 Kilometer
Hometrainer div. Stunden
Radrennen HEW-Classics 8/2003
55 Kilometer in 1:40:14
Weitere Informationen:
www.orthinform.de
www.bvonet.de